»Das war aber nett vom Autor, dass ich die Geschichte weitererzählen darf. Herzlich willkommen in meinem Podcast, ›Neues aus dem kleinen Tempel‹. Ich bin Eure Gastgeberin Mosdine, Erzählerin, Autorin, Einhornpflegerin und, und, und, aber das wisst ihr ja.« Mosdine nimmt einen Schluck Glitzer-Kaffee aus ihrer Einhorntasse. »Ich wollte noch etwas klarstellen, nachdem ich so viele Fragen zur letzten Szene von Teil 1 bekommen habe. Wieso kann Jester mit einem Smartphone im Mittelalter telefonieren? Es gibt zwei Antworten. Erstens: Es ist eine Urban-Fantasy-Geschichte und da ist so was halt möglich. Aber die technische Antwort lautet: Die ZurDir reist durch Raum und Zeit und somit konnte Jester auch mit ihrem Smartphone, Kontakt zum Autor aufnehmen. Ich hoffe, Dir passt die Antwort, wenn nicht, schreib es mir wie immer. So, nun aber weiter mit der Geschichte.« Sie stellt das Gefäß mit ihrem Lebenselixier ab.
Alle staunen, als sie die satanistische Fledermaus mit einem Zahn, im epischen Licht und der Pose sehen. Die Erste, die die Stille unterbricht, ist die Tempelhexe.
»Jetzt hört doch mal auf mit dem Quatsch. Was soll das denn nun werden? Jester, du schreibst die ganze Geschichte um. Ich möchte mir nicht vorstellen, was man in unserer Zeit dann über die Arthur-Saga erzählt oder schreibt.« Ermahnt Soerbuddha die kleine Fledermaus.
»Was soll man schreiben? Dass ich, Jester, die beste Königin von England war.« Jester lacht und die Tempelhexe verzieht ihr Gesicht, nachdem Soerbuddha den Satz wiederholt. Die Hexe ist wieder aus der ZurDir gekommen, da ihre Neugier größer ist als ihre Angst. Lotus hat sie aber vorsorglich bei Maun gelassen.
»Nun mal langsam, willst du wirklich dein ganzes Leben mit dem Regieren verbringen? Keine Zeit, um Bücher zu lesen, und Motorradfahren kannst du dann komplett vergessen«, spricht Soerbuddha ruhig zu Jester, die nun bleich um ihre Nase wird. Hexchen lacht und vergisst zu atmen. Bevor sie blau anläuft, spricht sie mehr oder weniger aus Versehen einen Zauberspruch aus, und auf dem Hügel wachsen wunderschöne Blumen. Gefühlt sind alle Farben dabei. Blaue, rote, orange und sogar grün schmierende Blüten bedecken die Wiese.
»Das ist Zauberei!«, schreit Arthur laut.
»Nicht so laut, junger Mann, und ja, es ist Zauberei, genauer gesagt: Hexerei.« Soerbuddhas Stimme ist immer noch ruhig und gelassen. Das wird sich nicht ändern, außer die Tempelhexe gibt ihm wieder die Schuld.
»Ja, sorry«, antwortet die Hexe, nachdem sie wieder Luft bekommen hat. »Ich kann nichts dazu! Es ist abermals Soerbuddhas schuld. Hätte er nicht …«, sie kommt nicht dazu, den Satz zu beenden, da unterbricht der Buddha sie und beide fangen an zu streiten. Lotus, die sich hinausgeschlichen hat, kann das nicht ertragen und verschwindet wieder in der ZurDir.
Jester steckt ihr Schwert wieder in den Stein und zeigt auf denselben und dann auf Arthur. Er zuckt mit den Schultern und versucht, es herauszuziehen. So sehr er sich anstrengt, das Schwert bewegt sich nicht. Jester stößt ihn nach ungefähr zehn Minuten zur Seite und zieht das Schwert heraus und schreit dann zu Soerbuddha.
»Hört auf zu streiten, wir haben ein Problem. Was machen wir nun, du allwissender Buddha?«, ihren Sarkasmus kann sie nicht verstecken. Beide Streithähne zucken zusammen. Zwar versteht die Hexe die Fledermaus nicht, aber die Verärgerung von Jester spürt sie bis zu ihren Knochen.
»Hm? Das ist eine berechtigte Frage. Vielleicht weiß Arthur eine Lösung. Was hältst du davon, dass du ihm einfach das Schwert gibst?« Soerbuddhas Stimme klingt ruhig und sanft, aber innerlich brodelt es immer noch, durch den Streit mit der Tempelhexe.
»Das geht nicht, nur der, der es herauszieht, ist würdig, König zu werden.« Antwortet Arthur leise und eingeschüchtert.
»Oder in meinem Fall Königin, aber ich habe eine Idee. Soerbuddha erinnerst du dich an die Nebel von Avalon? Vielleicht können wir das Schwert in den See schmeißen und ich werde als Besitzerin gelöscht.«
»Ob das so einfach geht, glaube ich nicht«, erwidert der Buddha, nachdem er die Worte von Jester wiederholt hat.
»Papalapap, was haben wir zu verlieren, lasst es uns ausprobieren«, meint überschwänglich und motiviert die Tempelhexe.
Arthur, dem das alles nicht mit rechten Dingen zugeht, versucht abzuhauen. Er hat nicht mit der flinken Hexe gerechnet, die sofort sein Ohr schnappt.
»Hiergeblieben! Weißt du, wo der See ist?«
Arthur, der überrascht ist, hat keine andere Möglichkeit, als zu antworten.
»Wir müssten dort entlang, den Hügel hinunter und dann in den Wald.«
Die illustre Gesellschaft nickt sich zu und begibt sich auf den Weg. Nach einer Stunde erreichen sie den See. Er schimmert in vielen Blau- und Grüntönen, und die Sonnenstrahlen tanzen als kleine Glitzerpunkte auf ihm. Plötzlich verschwindet die Sonne hinter einer Wolke und ein Nebel steigt am Ufer auf.
»Na toll, warum passiert das immer uns«, gibt die Tempelhexe genervt wieder.
»Ich finde es toll, ich glaube, Schottland kann warten«, erwidert Alexandria, unsere Bibliothekaringeist, und schreibt die Szene akribisch auf.
»Hier sieht’s aus wie in den Büchern beschrieben. Soll ich nun das Schwert in den See werfen?« Jester schaut die anderen mit großen, fragenden Augen an. Da nur die Geisterfrau und Soerbuddha sie verstehen, antwortet der Mönch.
»Ich bin mir nicht sicher. Wenn das Schwert im See verschwindet und nicht wieder auftaucht, dann wird Arthur nie König.«
In diesem Moment huscht ein Schatten von der linken Seeseite zur anderen. Er verschwindet und taucht einige Sekunden später wieder auf. Dann huscht er wieder zurück.
»Habt ihr das gesehen?« Ertönt eine etwas verängstigte Stimme der Tempelhexe. »Ah, da ist der Schatten wieder, der kommt auf uns zu.« Der Schrei rast durch den Wald und lässt die Tiere aufschrecken und flüchten. Arthur zittert vor Angst, für ihn kommt das Geräusch, wie aus der Hölle vor.
Jester erkennt die Gestalt, die auf die Gruppe zukommt, und ruft Vorfreude.
»Umako, mein knuddeliges, flauschiges Monster aus der Hölle, meine älteste und beste Freundin.« Beide fallen sich um den Hals und quietschen vor Freude. Der Buddha und die Hexe schütteln ihren Kopf, Arthur zittert immer noch. Alexandria, die Geisterfrau, schreibt fleißig mit.
»Eigentlich ist es ja meine Aufgabe, die Geschichten zu erzählen und aufzuschreiben. Aber ok, dann kann ich auch erst einmal einen Glitzerkaffe aus meiner Einhorntasse trinken. Oh, die ist leer. Dann würde ich hier den Teil 2 stoppen. Wenn ich wieder mein Lebenselixier habe, dann erzähle ich weiter. Ach so, ich muss auch noch mein Einhorn füttern. Also bis später.« Mosdine verlässt das Tonstudio und Streamerzimmer, um in die Tempelküche zu verschwinden.
